Shantychor

Mit “Helau” zum Shanty Chor
Die singenden Männer der Kleinstadt Penzlin brachten mit ihren Liedern nicht nur anderen Menschen viel Freude. Auch für sich selbst sorgten sie für prächtige Stimmung nach den Chorproben. So mancher Tropfen geistiger Getränke verrann in den durstigen Männerkehlen in den wechselnden Lokalitäten. In dem Gesang an den Männertischen fanden neben den Trink- und Schunkelliedern nach und nach auch Seemannslieder ihren Platz und trugen zur Geselligkeit bei. So manche Schallplatte ging auf natürlich nicht bekannten Wegen von West nach Ost auf die Reise und sorgte für den Zugang zu Text und Melodie von den „Maritimen Gassenhauern“, die ja sowieso schon jeder auf der Straße pfiff.

Die Idee
Schließlich wurde die Idee geboren, den Einwohnern von „Punschendörp“, wie Penzlin liebevoll genannt wurde, etwas Besonderes zu bieten. Karneval in Penzlin!
Nach Rio konnten wir nicht reisen, also wurde der Karneval nach Penzlin geholt. So ein Karneval hatte aber seine Tücken. Fünf Stunden am Stück Menschen mitzureißen und die Begeisterung am Kochen zu halten, das fraß an der Substanz, dem singefähigen Repertoire.
Also wurde alles aufgeboten, was Stimmung und gute Laune erzeugen kann.
Von Büttenreden über Schunkel–Medleys und Lieder der Seefahrt, die von Herz, Schmerz, Liebe und Sehnsucht erzählten. Die Melodien von den rauhen Kerlen auf See und in den Hafenstädten trafen auch den Nerv der Karnevalisten.
Alles live, mit Musikkapellen. Immer mehr Solisten traten in das Rampenlicht und trauten sich, Stimmungslieder und Shantys zu singen. Der Penzliner Karneval wurde zu einem Markenzeichen bester Unterhaltung und war zwei Jahrzehnte stets ausverkauft.

Die Shantygruppe
Zu besonderen Anlässen wurde zu dieser Zeit bereits die „Kleine Shantygruppe“ des Männerchores auch außerhalb des Karnevals angefordert. Doch die Nachfrage nach diesen emotional starken Darbietungen der Penzliner Kerle wuchs in den 70er Jahren ständig. Am 03. November 1984 kam dann der offizielle maritime Gesangseinsatz mit der Gestaltung eines „Seemannsabends“ in Waren an der Müritz. Das war die Premiere für den gesamten Auftritt des Männerchores Penzlin 1907 e.V. als „Shantychor Penzlin“. Der musikalische Kapitän war damals Chorleiter Kurt Köhn, noch heute Ehrenmitglied des Chores. Schon ein Jahr später hatten es die Penzliner Shantysänger mit ihrer Vortragsfrische geschafft, in der „Hafenbar“, einer beliebten Fernsehsendung des Ostseestudios Rostock, mitzuwirken.

Erlebnisorte
Seitdem ist die Palette des maritimen Liedgutes stets erweitert worden. Ob bei Hafenfesten, dem großen Windjammertreffen „Hanse-Sail“, beim „Warneminner Ümgang“ unterm Leuchtturm oder in heimatlichen Gefilden zur „Müritz–Sail“, die Stimmen der „Penzliner Shantymen“ waren nicht mehr zu überhören. Unvergessen wird den Shantysängern der Gesang auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ zum Empfang der Parlamente Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins bleiben. Der ehemalige Chorleiter und das Ehrenmitglied Christian Bomeier dirigierte im frischen Wind und erlebte mit den Männern die Flaggenparade. Noch mehr Gewicht bekam der maritime Gesang mit der Deutschen Einheit. Mit dem „Otterndorfer Shantychor, Liedertafel von 1831 e.V.“, aus der Partnerstadt Penzlins, wurden freundschaftliche Bande geknüpft und bis heute ertönt bei regelmäßigen gegenseitigen Besuchen das kräftige „Moin, moin!“, wenn die beiden Klangkörper in den weißblauen Hemden zum gemeinsamen Gesang zusammenfinden.

Für den Männerchor Penzlin 1907 e.V. steht fest, der „Shantychor Penzlin“ hat seinen festen Platz nicht nur in der Mecklenburgischen Seenplatte erobert. Die Penzliner Männer werden immer mit zwei Seelen in der Brust singen.

„Fest mög‘ umschlingen uns das Bruderband!“

„Ahoi, Kameraden!“

Christian Nehls

Link zur Website